
„Das erste Mal“ ist einer von 66 ganz persönlichen Gedanken aus meinem neuen Buch „Mit 66 lächle ich zurück“, das im Oktober erscheint. Gedanken über mein Leben, über die Liebe, über Erfahrungen und Begegnungen – und über all das, was mich nach 66 Jahren zurückblicken und lächeln lässt.
„Das erste Mal“
Meine Wünsche und Träume
lehnen manchmal lange
unbeachtet an der Wand.
Bis mein Herz sie nimmt
und sagt:
Versuch es.
Denn das erste Mal
ist nie oft genug.
Das Leben selbst
ist ein einziges erstes Mal.
Ich habe immer Wünsche und Träume gehabt. Manche waren groß und manche so klein, dass ich sie wahrscheinlich nicht einmal als Traum bezeichnet hätte.
Einige begleiteten mich jahrelang. Andere waren plötzlich da, klopften ziemlich laut an und wollten sofort gelebt werden.
Und dann gab es jene, die einfach irgendwo herumstanden. Wie Dinge, die man irgendwann einmal ganz bewusst an die Wand gestellt hat, weil man noch nicht weiß, wohin damit.
Man sieht sie. Man weiß, dass sie da sind. Man geht jeden Tag an ihnen vorbei.
Bis irgendwann dieser eine Moment kommt.
Nicht der Moment des Müssens. Sondern der des Wollens. Ich will es versuchen.
Vielleicht ist genau das der Augenblick, in dem aus einem Traum ein Stück Leben werden kann.
Heute weiß ich allerdings auch, dass nicht jeder Traum wahr werden muss, um wertvoll gewesen zu sein.
Manche meiner Träume haben sich als Seifenblasen entpuppt. Wunderschön anzusehen,
solange sie durch die Luft schwebten. Und plötzlich waren sie weg. Andere Wünsche habe ich so lange mit mir herumgetragen, bis ich irgendwann feststellen musste, dass sie gar nicht mehr meine waren.
Ich hatte mich verändert. Und mit mir hatte sich das verändert, wonach ich mich einmal gesehnt hatte. Auch das gehört für mich zum Leben.
Man muss einen Traum nicht verwirklichen, nur weil man ihn irgendwann einmal hatte. Man darf ihn anschauen und sagen: Du warst einmal wichtig für mich. Heute bist du es nicht mehr.
Und dann gibt es natürlich die anderen. Die Träume, die wahr werden und tatsächlich
alles verändern. Auch sie garantieren kein glückliches Ende. Manchmal stellt ein erfüllter Traum das ganze Leben auf den Kopf. Plötzlich ist die Wirklichkeit ganz anders als die Vorstellung, die man so lange von ihr hatte. Manchmal trägt sie uns weiter, manchmal wirft sie uns aus der Bahn.
Und manchmal lässt sie uns sogar ziemlich tief fallen. Trotzdem möchte ich auf meine Träume nicht verzichten. Denn Träume waren für mich immer auch der Kraftstoff meines Lebens.Sie haben mich neugierig gehalten. Sie haben mir Gründe gegeben, etwas auszuprobieren. Sie haben mich aufstehen, losgehen, scheitern und wieder neu beginnen lassen.
Vor allem aber steckt in jedem wirklichen Traum etwas, das mir bis heute wichtig geblieben ist:
Sehnsucht.
Ich möchte mir ein Leben ohne Sehnsucht kaum vorstellen. Sehnsucht bedeutet für mich nicht, mit dem, was ich habe, unzufrieden zu sein. Ich kann dankbar für mein Leben sein und trotzdem noch von etwas träumen.
Das eine schließt das andere nicht aus. Vielleicht ist Sehnsucht einfach die leise Ahnung
des Herzens, dass noch etwas auf mich wartet. Und solange ich diese Ahnung spüre, bin ich unterwegs.
Mit fast 66 Jahren möchte ich deshalb nicht anfangen, meine ersten Male zu zählen, als wären sie irgendwann aufgebraucht.
Warum sollten sie das sein?
Es kann ein erster Ort sein. Ein erster Gedanke. Ein Mensch, dem ich zum ersten Mal begegne. Etwas, das ich zum ersten Mal wage. Ein Gefühl, von dem ich glaubte, es längst zu kennen, und das sich plötzlich vollkommen neu anfühlt.
Natürlich weiß ich heute besser als früher, dass nicht hinter jedem ersten Mal ein zweites wartet. Aber vielleicht macht gerade das seinen Wert aus.
Ich möchte meine Wünsche und Träume deshalb nicht alle von der Wand nehmen und unbedingt verwirklichen.
Aber ich möchte sie auch nicht dort vergessen. Hin und wieder will ich einen davon anschauen und mich fragen: Willst du das noch?
Und wenn mein Herz dann Ja sagt, möchte ich mir auch heute noch erlauben, es zu versuchen.
Nicht weil ich muss. Sondern weil ich will.
Träume sind der Kraftstoff meines Lebens. Sehnsucht hält den Motor am Laufen. Und
solange ich noch etwas zum ersten Mal erleben
möchte, bin ich noch lange nicht angekommen.
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