Richtiges Irren

Als wir uns
von den Irrtümern
unserer Leben erzählten,
darüber lachten,
und erkannten,
wie wundervoll richtig
das Irren war.

Wir vergaßen, was wir je dachten
und versuchten, nichts zu verstehen.

Es gibt Entscheidungen in meinem Leben, die würde ich heute nicht mehr treffen. Wege, die ich nicht noch einmal gehen möchte. Menschen, denen ich vielleicht anders begegnen würde. Und Augenblicke, in denen ich heute manches besser wüsste.

Aber damals wusste ich es nicht.

Vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen Leben und Rückblick. Im Rückblick kennen wir die nächste Abzweigung. Während wir leben, kennen wir sie nicht.

Wir entscheiden mit dem Menschen, der wir gerade sind. Mit unseren Hoffnungen, unseren Ängsten, unserer Liebe und manchmal auch mit unserer Naivität. Wir gehen los und glauben, die Richtung zu kennen.

Und manchmal irren wir uns.

Manches davon tut weh. Manches kostet uns Jahre. Manche Entscheidung würden wir am liebsten aus unserer Geschichte streichen.

Doch dann kommt vielleicht dieser eine Abend.

Da sitzt plötzlich ein Mensch vor uns. Wir erzählen einander von unseren Umwegen, unseren falschen Entscheidungen und den Stellen, an denen das Leben ganz anders verlief, als wir es geplant hatten.

Und irgendwann müssen wir darüber lächeln.

Denn plötzlich wird uns bewusst:

Hätte nur einer dieser Wege anders ausgesehen, wären wir vielleicht niemals zur selben Zeit am selben Ort gewesen.

Das macht das Falsche nicht richtig.
Es macht den Schmerz nicht notwendig und die Enttäuschung nicht schön.

Aber es lässt mich heute anders darauf schauen.

Ich muss nicht mehr mit jedem meiner Irrtümer hadern. Einige von ihnen dürfen einfach ein Teil meines Weges gewesen sein.

Denn vielleicht war nicht das Irren richtig.

Aber wundervoll richtig ist der Ort,
an den es mich geführt hat.